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Bachelorarbeit

"Untersuchungen zur sozialen Organisation der Brillenpinguine (Spheniscus demersus) im Zoo Hannover"

Allgemeine Informationen

In meiner Bachelorarbeit habe ich die soziale Organisation der Brillenpinguine im Zoo Hannover hinsichtlich ihrer Paarbeziehungen und einer sozialen Dominanz untersucht.
Bei der weiteren Beschreibung handelt es sich um eine grobe Zusammenfassung meiner Arbeit. Diese wurde ausschließlich für diese Website verfasst. Wenn du nähere Fragen zu bestimmten Teilen hast, dann kannst du mir gerne eine E-Mail schreiben. Die Adresse findest du im Impressum.

Paarbeziehungen
Die Paarbeziehungen der Pinguine werden in der Natur von ständigen Lebensraumwechseln zwischen Land und Wasser während eines Brutzyklus geprägt. Während der Brutzeit treffen sich die Partner an Land und zeigen bestimmte Paarverhaltensweisen wie gegenseitige Gefiederpflege, Nestbau oder Kopulationen. Zwischen zwei Brutphasen sowie vor und nach der Mauser gehen beide Partner getrennt voneinander auf Nahrungssuche, um ihre Fettreserven wieder zu füllen. Die Nähe der Partner zueinander nimmt also ab und die Paarverhaltensweisen werden ebenfalls nicht mehr beobachtet.
In Gefangenschaft ist dieser längere Lebensraumwechsel nicht möglich, da der Raum begrenzt ist. Außerdem werden die Tiere dort gefüttert, sie müssen also nicht weite Strecken zur Nahrungssuche zurücklegen. Doch was machen die Partner zwischen den Brutphasen in Gefangenschaft? Trennen sie sich die Paare für diese Zwischenzeit räumlich? Demnach müssten nicht züchtende Partner weniger oft in gemeinsamer Nähe aufhalten als züchtende Partner, auch die Häufigkeit der zu beobachtenden Paarverhaltensweisen sollte bei nicht züchtenden Paaren geringer sein.

Des Weiteren ist nicht bekannt, ob die Paarbeziehungen vom Alter beeinflusst werden. Mit dem Alter steigt in der Regel die Zuchterfahrung und deshalb könnten sich die Paarbeziehungen in der Nähe zueinander und in den Paarverhaltensweisen verändern.
Die Paarbeziehungen der Pinguine könnten sich also abhängig vom Zuchtstatus oder vom Alter verändern. In meiner Bachelorarbeit wollte ich herausfinden, ob diese Vermutungen stimmen.

Soziale Dominanz
Soziale Dominanz findet man bei vielen Tierarten, hier haben dominante Tiere vor untergebenen, subdominanten Tieren einen Vorrang. Die dominanten dürfen sich beispielsweise zuerst am Futter bedienen oder sich ihre Geschlechtspartner aussuchen. Dieses System dient dazu, sich häufige Kämpfe um Nahrung oder Geschlechtspartner zu sparen, denn diese Kämpfe können Kosten (z.B. Verletzungen) mit sich bringen.
In anderen Tierarten kommt keine Dominanz vor. Die Tiere leben gleichwertig nebeneinander und jedes Individuum hat den gleichen Anspruch am Futter. Hier sind die Ressourcen reichlich vorhanden, weshalb es keinen Sinn macht, um diese zu streiten. Diese Tiere können beispielsweise in großen Kolonien gleichwertig zusammenleben, so wie es auch bei Pinguinen der Fall ist. Bei Pinguinen ist in der Natur keine soziale Dominanz bekannt.
Doch was ist mit Pinguinen in Gefangenschaft? Diese müssen miteinander auskommen, dort kann niemand das Weite suchen, weil er einen Kollegen nicht ausstehen kann. Durch diesen sozialen Druck könnte es sein, dass einige Individuen aggressiver und damit dominanter sind als andere Individuen, die sich ihnen lieber untergeben, um Streit zu vermeiden. Um zu überprüfen, ob soziale Dominanz in Gefangenschaft auftritt, habe ich zwei Kriterien untersucht:
(1) Soziale Dominanz kann anhand von der Häufigkeit gezeigter und empfangener aggressiver Verhaltensweisen erkannt werden: Dominante Individuen zeigen mehr aggressive Verhaltensweisen als sie empfangen und subdominante Individuen empfangen mehr aggressive Verhaltensweisen als sie zeigen.
(2) Soziale Dominanz kann anhand verschiedener Ausgänge von Konflikten erkannt werden: Ein Individuum ist dominant, wenn es deutlich mehr Konflikte gewinnt als verliert und subdominant, wenn es deutlich mehr Konflikte verliert als gewinnt.

Außerdem wurde untersucht, ob die soziale Dominanz von einem Geschlecht bestimmt wird beziehungsweise ob es innerhalb der Paare einen dominanten Partner gibt.

Um die sozialen Organisationen in Gefangenschaft zu untersuchen, wurden die Brillenpinguine im Zoo Hannover beobachtet und aggressive sowie Paarverhaltensweisen aufgenommen. Diese wurden dann in meiner Bachelorarbeit analysiert, um meine Fragen zu beantworten.

Methoden

Insgesamt wurden zehn Fokustiere abwechselnd beobachtet und entsprechende Verhaltensweisen notiert. Jedes Fokustier wurde täglich eine halbe Stunde an insgesamt 20 Beobachtungstagen beobachtet. Dabei wurde auf folgende Verhaltensweisen geachtet:

    Paarverhaltensweisen:
  • Kopulation und Kopulationsversuch (H)
  • Umarmung von hinten (H)
  • Gegenseitige Gefiederpflege (D und H)
  • Gemeinsam im Nest (D und H)
  • Gemeinsames Tröten (H)
  • Vibrierendes Kopfschütteln (H)
  • Nestbau: Suchen, Transport, Ablegen, Ordnen von Nistmaterial (H)
    aggressive Verhaltensweisen:
  • Drohen (H)
  • Angriff mit Schnabelhieben oder Flossenschlägen (H)
  • Scheinangriff (H)

(Abkürzungen: H = Es wurde aufgenommen, wie häufig diese Verhaltensweise gezeigt wurde; D = Bei dieser Verhaltensweise wurde die Zeit gestoppt.)

Während eines Beobachtungsintervalls eines Fokustieres wurde minütlich notiert, welche anderen Individuen sich in der Nähe des Fokustieres in einem Abstand von einer Körperlänge befanden. Mithilfe dieser Daten konnte die Häufigkeit der Nähe der Partner zueinander bestimmt werden.

Um die Häufigkeiten der gegenseitigen Nähe und die Häufigkeiten und Dauern verschiedener Paarverhaltensweisen auf Unterschiede zu überprüfen, wurden die Fokustiere mit ihren potentiellen Partnern nach aktuellem Zuchtstatus und Alter eingeteilt. Diese Häufigkeiten und Dauern wurden dann zwischen züchtenden und nicht züchtenden Paaren sowie jüngeren und älteren Paaren auf statistische Unterschiede untersucht.

Ergebnisse

Paarbeziehungen
Die Fokustiere befanden sich jeweils signifikant häufig in der Nähe eines bestimmten anderen Individuums. Daneben war der Anteil der Zeitpunkte mit keinem Nachbarn ebenfalls recht hoch, während der Anteil anderer Individuen bei allen Fokustieren vergleichsweise gering blieb. Die Fokustiere hielten sich also sehr oft in der Nähe ihres Partners auf oder hatten oft keinen Nachbarn, während andere Individuen aus dem Gehege sich eher selten bei den Fokustieren aufgehalten haben.
Auch bei den aufgenommenen Paarverhaltensweisen war auffällig, dass die Fokustieren diese nur gegenüber ihrem Partner gezeigt haben.

Zwischen züchtenden und nicht züchtenden Paaren wurde ein Unterschied in der Häufigkeit der Nähe der Partner zueinander festgestellt und einige Paarverhaltensweisen traten häufiger und länger bei züchtenden Paaren auf. Dazu gehören Dauer und Häufigkeit der Verhaltensweise "gemeinsam im Nest" und die Verhaltensweisen des Nestbaus. Bei den anderen Paarverhaltensweisen wurde kein Unterschied zwischen züchtenden und nicht züchtenden Paaren festgestellt.
Zwischen jüngeren und älteren Paaren wurden keine Unterschiede in der Nähe der Partner zueinander und auch nicht in den Dauern und Häufigkeiten der Paarverhaltensweisen festgestellt.

Soziale Dominanz
Bei drei von zehn Fokustieren wurde ein signifikanter Unterschied zwischen den Häufigkeiten der gezeigten empfangenen aggressiven Verhaltensweisen festgestellt. Diese drei Fokustiere haben signifikant mehr aggressive Verhaltensweisen gezeigt als empfangen und können daher nach dem ersten Kriterium als dominant bezeichnet werden. Subdominante Individuen konnten nach diesem Kriterium nicht benannt werden, da kein Fokustier signifikant häufiger aggressive Verhaltensweisen empfangen als selbst gezeigt hat.
Nach dem zweiten Kriterium sollte die Bilanz zwischen gewonnenen, verlorenen und unentschieden ausgegangenen körperlichen Konflikten ausgewertet werden. Als "körperliche Konflikte" zählen hier Konflikte, die mit Schnabelhieben oder Flossenschlägen (die allerdings nicht beobachtet wurden) ausgetragen wurden. Leider sind hier zu wenige körperliche Konflikte beobachtet worden, sodass kein statistischer Test angewendet werden konnte. Bei einem Fokustier wurde jedoch erkannt, dass es alle seiner Konflikte gewonnen hatte. Bei den anderen Fokustieren waren die Bilanzen ausgeglichen.
Die weiblichen und männlichen Fokustiere zeigten ungefähr gleich häufig aggressive Verhaltensweisen und es wurden keine aggressiven Verhaltensweisen zwischen Partnern beobachtet.

Diskussion

Paarbeziehungen
Die Ergebnisse der Paarbeziehungen sind mit Vorsicht zu betrachten, da sie durch mögliche Partnerwechsel beeinflusst sein könnten. Zwei der Fokustiere zeigten eine Präferenz für dasselbe Individuum, der Partner eines anderen Fokustieres wurde neben diesem Fokustier auch häufig in der Nähe eines anderen Individuums beobachtet. Dadurch könnten sowohl die beobachteten Häufigkeiten der Nähe zueinander sowie die Dauern und Häufigkeiten der Paarverhaltensweisen erniedrigt worden sein, sodass die Ergebnisse nicht aussagekräftig sind. In Folgestudien sollten mehr Fokustiere gewählt werden, um Daten, die die Ergebnisse beeinflussen könnten, bei der Analyse nicht zu betrachten. Bei mehreren Fokustieren ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man trotzdem ausreichend viele Daten hat, die man auswerten kann.

Soziale Dominanz
Allgemein wurden recht wenig aggressive Verhaltensweisen beobachtet, sodass eine soziale Dominanz unter den Brillenpinguinen in Gefangenschaft weder angenommen noch abgelehnt werden kann. Möglicherweise könnten sich die Verhältnisse der gezeigten und empfangenen aggressiven Verhaltensweisen beziehungsweise die Bilanzen der Ausgänge der körperlichen Konflikte noch verändern, da die Unterschiede zwischen den gezeigten und empfangenen aggressiven Verhaltensweisen und den gewonnenen, verlorenen und unentschiedenen Konflikten teilweise sehr gering waren. Um eine soziale Dominanz bei den Brillenpinguinen bewerten zu können, müsste daher der gesamte Beobachtungszeitraum verlängert werden, damit mehr Daten gesammelt werden können.
Eine Dominanz, die von den Geschlechtern abhängt, ist bei Pinguinen jedoch sehr unwahrscheinlich, da sich Männchen und Weibchen körperlich kaum unterscheiden. Kein Geschlecht ist dem anderen überlegen und damit ist die Basis einer geschlechtsabhängigen Dominanz nicht gegeben.