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Fortpflanzung


Zusammenfassung

Pinguine sind monogam: Sie haben nur einen Geschlechtspartner.

Pinguine bleiben meistens einander treu, doch aus verschiedenen Gründen kann sich ein Paar auch trennen.

Bei der Paarung sitzt das Männchen auf dem Weibchen. Pinguin-Männchen haben keinen Penis (siehe Seite Geschlechtsorgane).

Pinguine legen Eier. Je nach Art ist die Anzahl der Eier unterschiedlich.

Der Nestbau und die Dauer der Kükenaufzucht unterscheiden sich ebenfalls von Art zu Art.

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Treue bei Pinguinen

Pinguine sind monogam, sie paaren sich pro Saison (meist) nur mit einem Partner. Das heißt aber nicht, dass die gleichen Paare im nächsten Jahr wieder zusammenfinden. Verschiedene Gründe können dazu führen, dass sich ein Paar wieder trennt: kein Bruterfolg, ein Partner ist verstorben oder jemand kommt einfach zu spät zum jährlichen Treffpunkt. Dann sucht sich der wartende Partner eben eine neue Partnerin. Wenn die verspätete Partnerin aber doch erscheint, wird manchmal die neue Partnerin vertrieben und das alte Paar brütet erneut zusammen.

Bei Königs- und Kaiserpinguinen ist die Scheidungsrate recht hoch. Beide Arten bauen keine Nester und somit entfällt der gemeinsame Treffpunkt. Da die Pinguin-Paare nach der Brutzeit getrennt auf Nahrungssuche gehen, kommen sie manchmal zu unterschiedlichen Zeiten wieder zum Brutort. Dann müssen sie aus hunderten bis tausenden von Tieren ihren ehemaligen Partner wiederfinden, was ihnen nicht immer auf Anhieb gelingt. Da die Kükenaufzucht viel Zeit in Anspruch nimmt und sie deshalb möglichst schnell mit der Paarung beginnen müssen, entscheiden sich Königs- und Kaiserpinguine vermutlich eher für einen anderen Partner, anstatt auf den Ex zu warten.

Partnersuche und Balz

Oft warten die Männchen der meisten Pinguinarten schon am Nest, bevor die Weibchen ankommen. Weibchen suchen sich bevorzugt die Männchen aus, die ein ordentliches Nest vorweisen können. Vor der Paarung findet die Balz statt: Das ist eine Art Ritual, bei dem Männchen und Weibchen bestimmte Verhaltensweisen zeigen. Sie neigen zum Beispiel den Kopf hin und her, strecken sich in die Höhe, verbeugen sich oder geben spezielle Laute von sich. Bei Pinguinen kann man diese Verhaltensweisen allgemein als singen und tanzen bezeichnen. Besonders bei Kaiserpinguinen ist die Balz sehr anmutig, das zeigt zum Beispiel der Dokumentarfilm Die Reise der Pinguine in eindrucksvollen Aufnahmen.


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Brillenpinguine aus dem Allwetterzoo Münster
Bei der Balz der Brillenpinguine umarmt das Männchen das Weibchen von hinten und lässt seine Flossen an den Seiten des Weibchens vibrieren.

Paarung

Bei der Paarung kann man die Geschlechter leicht erkennen: Das Weibchen legt sich auf den Bauch und das Männchen steigt auf ihren Rücken auf. Der Geschlechtsakt erfordert viel Geduld und Balance-Fähigkeit des Männchens, da es für ihn gar nicht so einfach ist, sich auf dem rundlichen Rücken des Weibchens zu halten. Wenn das Männchen eine gute Stelle gefunden hat, an der es Halt hat, drückt es seine Geschlechtsöffnung gegen die des Weibchens. Pinguinmännchen haben keinen Penis, was den Paarungsakt zusätzlich erschwert.
Da es sehr schwierig ist, die beiden Geschlechtsöffnungen genau aufeinander zu pressen und die Balance zu halten, wird der Paarungsakt mehrmals wiederholt. Der gesamte Vorgang, vom Aufstieg bis zum Abstieg des Männchens, dauert ungefähr eine Minute.

Zwei Brillenpinguine sitzen aufeinander.

sich paarende Brillenpinguine aus dem Zoo Hannover

Video 1: Paarungsakt von vorn

Der Paarungsakt ist eine sehr wackelige Angelegenheit: Das Männchen muss ständig die Position seiner Füße auf dem hinteren Rückenabschnitt des Weibchens korrigieren, um seine Balance zu halten. Seine Flügel lässt er dabei an den Seiten des Weibchens vibrieren, um zusätzliche Stabilität zu gewährleisten.
Manchmal bleibt das Männchen auf dem Rücken des Weibchens kurz sitzen, was nicht so schwierig aussieht. Warum ist der Geschlechtsakt an sich dann so beschwerlich?

Youtube-Video von Brillenpinguinen aus dem Zoo Hannover

Video 2: Paarungsakt von hinten

Im folgenden Video wird klar, warum der Geschlechtsakt eine so schwierige Aufgabe ist: Das Männchen muss seine Geschlechtsöffnung seitlich am Schwanz des Weibchens vorbeiführen, um sie auf die Öffnung des Weibchens (rosafarbener Fleck unterhalb des Schwanzes) zu drücken. Das Männchen muss seinen Schwerpunkt dabei auf eine Seite verlagern, weshalb es auch oft seinen Fuß auf dem Boden abstellen muss, um sich auf dem Weibchen zu halten oder um seine Position zu korrigieren.
Des Weiteren ist auffällig, dass das Männchen seinen Schwanz schnell hin und her bewegt, wenn dieser in die Nähe der weiblichen Geschlechtsöffnung gelangt. Dadurch kann das Männchen die Geschlechtsöffnung des Weibchens vermutlich besser finden. Wenn dies der Fall ist und die enge Verbindung der beiden Kloaken gegeben ist, gibt das Männchen sein Sperma ab. Danach verlässt das Männchen den Rücken des Weibchens.

Youtube-Video von Brillenpinguinen aus dem Zoo Hannover

Nestbau

In wärmeren Regionen nisten zum Beispiel Brillen-, Magellan-, Galapagos- und Zwergpinguine in Löchern oder Felsspalten, um ihre Eier vor der Sonneneinstrahlung zu schützen.
In kälteren Regionen bauen sich Zügel-, Adelie- und Eselspinguine ihre Nester aus kleinen Steinen, denn die Antarktis hat kaum ein anderes Material zu bieten.
Kaiser- und Königspinguine hingegen legen ihre Eier auf ihre Füße und stülpen die wärmende Bauchfalte darüber. Sie verzichten also auf den Nestbau.
Verschiedene Nestbauweisen werden auf den Seiten bei den Lebensräumen genauer beschrieben.

Zwei Humboldtpinguine liegen in einer Felsspalte.

Humboldtpinguine im Münchner Tierpark Hellabrunn

Eier

Die Eiablage findet ein paar Tage nach der letzten Paarung statt. Je nach Art legen Pinguine eine unterschiedliche Anzahl an Eiern. Kaiser- und Königspinguine legen immer nur ein Ei, während die anderen Pinguinarten meist zwei Eier legen. Bei Brillenpinguinen wurden schon bis zu drei Eier im Nest gezählt. Die Länge der Eier liegt zwischen 3 (Zwergpinguin) und 11 Zentimetern (Kaiserpinguin).

Brillenpinguin brütet ein Ei im Nest.

brütende Brillenpinguine am Boulders Beach, Südafrika

Brüten und Kükenaufzucht

Nachdem das Weibchen die Eier gelegt hat, übergibt sie diese dem Männchen und geht auf Nahrungssuche. Je nach Art kehrt sie zwischen ein und über 60 Tagen wieder zurück und löst das Männchen ab, welches nun hungrig fischen geht. Männchen und Weibchen kümmern sich gleichberechtigt um die Brutpflege und Aufzucht des Kükens.

Nach ungefähr 30 bis 70 Tagen Brutzeit (je nach Art) schlüpfen die Küken. Ihre Nahrung bekommen die Küken aus dem Hals ihrer Eltern. Diese würgen über Tag und Nacht verteilt kleine Portionen Fisch, Krebse oder Tintenfische hoch, damit ihre Schützlinge groß und stark werden.

Die meisten Pinguinarten ziehen ihre Jungen zwischen Oktober und März auf, dann ist es sommerlich in den Brutgebieten der Pinguine. Kaiser- und Königspinguine benötigen jedoch einen längeren Zeitraum, um ihre Küken großzuziehen. Deshalb fangen Kaiserpinguine schon im antarktischen Winter an zu brüten, damit sie im Sommer fertig sind. Königspinguine beginnen zwar im Sommer mit dem Brüten, aber die Küken werden erst nach ca. 16 Monaten flügge.

Die ersten Lebensjahre verbringen die jungen Erwachsenen auf See, bis sie zum Brüten wieder an Land kommen.

Erwachsener Brillenpinguin sitzt mit seinem Küken im Nest.

Brillenpinguin mit Küken am Boulders Beach, Südafrika


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Quellen:
Was ist Was Band 107 "Pinguine" von Boris Culik
Pinguine – Alles über die sympathischen Vögel aus dem Eis von Boris Culik
Penguins – Natural History and Conservation, edited by P. G. Borboroglu and P. D. Boersma, 2013
Bried et al. (1999). Why do Aptenodytes penguins have high divorce rates?. The Auk, 116(2), 504-512.
Olsson (1998). Divorce in king penguins: asynchrony, expensive fat storing and ideal free mate choice. Oikos, 574-581.



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